Was ist Spielsucht?
Das Spielen um Geld ist zunächst ein spannendes Vergnügen welches Spass und Entspannung verspricht. Allerdings kann es in bestimmten Situationen auch zu gravierenden Problemen führen und zu einer Abhängigkeit. Dies betrifft nicht wenige Spielende und insbesondere auch ihre Angehörigen und die ihnen Nahestehenden. Die finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Probleme, die durch exzessives Spielen entstehen, führen zu schwierigen Situationen und schädlichen Konsequenzen. Das Phänomen bleibt in der Gesellschaft aber sehr wenig bekannt. Bei Fachleuten im Sozial- und Gesundheitsbereich entwickeln sich die Kenntnisse zunehmend, bleiben aber weitgehend auf Suchtfachleute beschränkt. Aktuell wird geschätzt, dass weniger als 2% der Spielsüchtigen den Zugang zu einer Behandlung finden. Trotz den schweren Konsequenzen des problematischen Spielens vergehen im Schnitt 5 Jahre zwischen den ersten Problemen und der ersten Beratungsanfrage.
Eine Definition des pathologischen Spielens
Das pathologische Spielen wurde in der wissenschaftlichen Literatur seit 1980 definiert. Die aktuellste und meist-gebrauchte Definition stammt aus dem diagnostischen Manual DSM-IV der amerikanischen Psychiatrie-Vereinigung von 1994. Sie definiert pathologisches Glücksspiel als "Andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in mindestens fünf der folgenden Merkmale ausdrückt":
1. Zentraler Lebensinhalt ist stark eingenommen vom Glücksspiel (z.B. starkes beschäftigt sein mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmungen, Nachdenken über Wege, Geld zum Spielen zu beschaffen)
2. Toleranz muss mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen
3. Kontrollverlust hat wiederholt erfolglose Versuche unternommen, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben
4. Entzugssymptome ist unruhig und gereizt beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben
5. Verdrängung / Ersatzbefriedigung spielt, um Problemen zu entkommen oder um eine dysphorische Stimmung (z.B. Gefühle von Hilflosigkeit, Schuld, Angst, Depression) zu erleichtern
6. Suchtdruck kehrt, nachdem er beim Glücksspiel Geld verloren, oft am nächsten Tag zurück, um den Verlust auszugleichen (dem Verlust "hinterher jagen")
7. Lügen belügt Familienmitglieder, den Therapeuten oder andere, um das Ausmaß seiner Verstrickung in das Spielen zu vertuschen
8. Illegale Handlungen hat illegale Handlungen wie Fälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung begangen, um das Spielen zu finanzieren
9. Gefährdung wichtiger Beziehungen hat eine wichtige Beziehung, seinen Arbeitsplatz, Ausbildungs- oder Aufstiegschancen wegen des Spielens gefährdet oder verloren
10. Co-Abhängigkeit verlässt sich darauf, dass ihm andere Geld bereitstellen, um die durch das Spielen verursachte hoffnungslose finanzielle Situation zu überwinden
Diese Kriterien nehmen zum grossen Teil Aspekte auf, die zur Definition von Suchtmittelabhängigkeit vorgeschlagen wurden. Damit ist die Nähe der Spielsucht zu anderen Suchtformen wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit angezeigt.
Spielsucht in der Schweiz
Das Ausmass des Phänomens in der Schweiz wurde 1998 und 2005 gemessen (Bondolfi, Osiek). Die Zahlen bleiben trotz der Erhöhung des Angebotes stabil. Sie zeigen die Verbreitung der Problematik in der Schweiz.
| 1998 | 2005 | |
| Risikoarme Spielende | 97.03% | 96.68 % |
| Problematische Spielende | 2.18 % | 2.18 % |
| Exzessiv Spielende (abhängig) | 0.79 % | 1.14 % |
Die exzessiv Spielenden und die problematisch Spielenden haben die folgenden Charakteristiken:
- Männer: Anteil der Männer überwiegt (73% vs. 49%)
- Ledig: 48 vs. 30% sind ledig; 37% vs. 55% sind verheiratet
- « Jung » : 43% sind jünger als 29 Jahre vs. 20% ; 12% sind über 50 Jahre vs. 35%
- Angestellte: 76% sind angestellt vs. 55%
- Vollzeit: 79% vs. 52%
Soziale Auswirkung von Spielproblemen
Das exzessive Spielen ist seit ca. 20 Jahren als ein Problem für die öffentliche Gesundheit (Public Health) bekannt und in internationalen Gremien als solches identifiziert. Die aktuellen Erkenntnisse zeigen ein Bündel von schädlichen Auswirkungen sowohl bei den Spielenden (Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Ausschluss, Leiden, Suizid), für die ihnen Nahestehenden (Scheidung, Gewalt) und für die Gesellschaft als Ganzes (Absentismus, Kriminalität).
Konsequenzen und Begleiterscheinungen der Spielsucht in der Schweiz
| Daten aus Beratungen zu Spielsucht in der Schweiz 2003 | ||
| Verschuldung | 92% | Sind verschuldet zumeist an mehreren Stellen (bei Partner/innen, Verwandten/Bekannten, Kreditunternehmen, Arbeitskolleg/innen etc.). |
| 40% | werden aktuell betrieben, haben eine Betreibung hinter sich oder ihr Lohn wird gepfändet. | |
| 17% | haben einen Privatkonkurs durchgeführt. | |
| Scheidungen | 25% | Knapp ein Viertel sind geschieden oder getrennt, gegenüber 7% in der Gesamtbevölkerung (ab 18 Jahren). |
| 50% | Bei gut der Hälfte hat das Glücksspiel die Scheidung/Trennung (mit)-verursacht. Aus den Expert/innengesprächen geht hervor, dass der Einbezug von Angehörigen oder Partnerinnen für den Erfolg einer Therapie sehr wichtig ist. | |
| Arbeitslosigkeit | 18% | Im Mittel sind 18% der beratenen Spielenden von Arbeitslosigkeit betroffen. Das ist ein weit höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung. |
| 93% | Dabei wurde die Arbeitslosigkeit bei 93 Prozent der Fälle durch das Glücksspiel (mit)verursacht. Generell werden Personen mit Glücksspielproblemen jedoch als vergleichsweise gut arbeitsfähig eingeschätzt. Probleme am Arbeitsplatz entstehen insbesondere durch Schlafmangel, Absenzen und eine mögliche Delinquenz am Arbeitsplatz. | |
| Delikte | 15% | Gemäss den Daten aus den Beratungsstellen sind 15 Prozent der beratenen Glücksspieler/innen in ein Strafverfahren wegen Veruntreuung, Unterschlagung, Betrug oder Gelddiebstahl und Einbruch verwickelt. Die Dunkelziffer von unentdeckten Delikten oder «Vergehen» im Kreis von Angehörigen dürfte dabei wesentlich grösser sein. |
| Quelle: BASS, Glücksspiel und Glücksspielsucht in der Schweiz (Zusammenfassung), Künzi, Fritschi, Egger (November 2004) | ||

Programme intercantonal de lutte contre la dépendance au jeu